Berufsunfähigkeitsversicherung Ratgeber

Vergleich: selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung oder Zusatzversicherung

Die BU als selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung oder Zusatzversicherung: ein Vergleich

Wer eine BU abschließen will, kann sich zwischen einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (kurz BUZ) entscheiden. Letztere

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Risiko Selbstständigkeit

Isabelle K. ist Tischlermeisterin. Sie arbeitete über 10 Jahr lang in einem kleinen Betrieb für Messebau, machte sich dann selbstständig. Alles lief bestens: Sie war gut ausgelastet und die Arbeit machte ihr Freude. Bis sie nach einem Verkehrsunfall einen Arm nicht mehr bewegen konnte – Maschinen bedienen und Werkzeuge nutzen ging nicht mehr. Wie sollte es weitergehen? Aus der gesetzlichen Rentenversicherung hatte sie sich als Selbstständige verabschiedet, eine Erwerbsminderungsrente stand ihr nicht zu. Zum Glück hatte sie schon früh eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. So konnte sie sich erst einmal auf ihre medizinischen Therapien konzentrieren und in Ruhe ihre berufliche Neuorientierung planen.

Manche Berufe sind gefährlicher als andere…

Die gefährlichsten Berufe haben Gerüstbauer, Dachdecker und Bergleute. Ihr Job ist nicht nur körperlich hart, sie sind auch Wind und Wetter und – unter Tage – Staub und stickiger Luft ausgesetzt. Auch ist ihr Unfallrisiko höher als das von Angestellten im Büro. Aber auch Büroarbeit kann krank machen. Zu viel Sitzen, die Arbeit an Bildschirmen und einseitige Belastungen können Rückenleiden auslösen, und unter Stress leiden heute fast alle Berufsgruppen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird heute für alle Berufe empfohlen.


Die häufigsten Ursachen der Berufsunfähigkeit:

Nervenerkrankungen 28,67%
Krankheiten des Skelett- und Bewegungsapparats 22,65%
Krebs u.a. 15,07%
Unfälle 10,14%
Herzkrankheiten und Erkrankungen des Gefäßsystems 7,96%
Sonstige 15,51%

Quelle: Studie Morgen & Morgen zum BU-Versicherungsmarkt, April 2013

Was wäre wenn …

Die eigene Gesundheit sehen viele junge Arbeitnehmer als selbstverständlich an. Das ist schön. Doch realistisch betrachtet wird jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe des Arbeitslebens erwerbsunfähig, bevor er oder sie das Rentenalter erreicht. Wer kein eigenes Vermögen oder andere Einkünfte hat, steht dann möglicherweise vor schweren finanziellen Problemen, denn die gesetzliche Rentenversicherung kommt nur für das Nötigste auf.

Die Versorgungslücke

Hanna P. ist Marketingleiterin in einem großen Konzern. Mit 40 Jahren wurde bei ihr eine schwere Rheuma-Erkrankung diagnostiziert. Sie konnte oft tagelang nicht arbeiten, nicht reisen, keine Messen besuchen oder Konferenzen organisieren, und über die Jahre wurde es schlimmer. Eine halbe Erwerbsminderungsrente, die ihr die gesetzliche Rentenversicherung zuspricht, reicht vorne und hinten nicht. Die Versorgungslücke deckt sie mit der vereinbarten Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung, die sie als junge Frau abgeschlossen hatte.


Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Was ist eine BerufsunfähigkeitsversicherungDie Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine reine Risikoversicherung. Es wird kein Kapital angespart – wenn die Beiträge nicht verwendet werden, weil der Risikofall Berufsunfähigkeit nicht eintritt, sind sie verloren. Die Höhe des Beitrags kalkuliert der Versicherungskonzern anhand der Eintrittswahrscheinlichkeit, deshalb gibt es unterschiedliche Tarife je nach Lebensalter, Beruf und Gesundheitszustand. Weil es sich um eine reine Risikoversicherung handelt, sind die Beiträge in der Regel niedriger, wenn der Vertrag in jungen Jahren abgeschlossen wird.

Für die Berufsunfähigkeitsversicherung wird ein Vertrag zwischen dem Versicherer und dem Arbeitnehmer geschlossen. In der sogenannten Versicherungspolice (auch „Versicherungsschein“) werden die wichtigsten Versicherungsbedingungen schriftlich festgehalten. Dort wird aufgeführt, welche Rechte und welchen Leistungsanspruch der Versicherungsnehmer im Schadensfall hat. Sie dient dem Versicherten als Nachweis, dass der Vertrag besteht, und ab welchem Datum die Versicherung gilt.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt der Versicherer eine Rente, sobald der Versicherte seinen Beruf nicht mehr dauerhaft ausüben kann – und zwar aus Krankheitsgründen, wegen einer Körperverletzung oder wegen Kräfteverfalls. Entscheidend ist dabei, dass man im zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Der „zuletzt ausgeübte Beruf“ umfasst auch das Gehaltsniveau und die Karrierestufe, die erreicht wurden, sowie zusätzliche Qualifikationen.

Die Berufsunfähigkeitsrente soll dem Versicherten ermöglichen, trotz der schweren Beeinträchtigung durch die Berufsunfähigkeit den Lebensstandard einigermaßen aufrecht zu erhalten.

Damit die Berufsunfähigkeit vom Versicherer anerkannt wird, muss sie dauerhaft sein. Das ist der Fall, wenn die Ärzte feststellen, dass der Zustand mindestens sechs Monate lang anhalten wird.

Definition der deutschen Lebensversicherungsunternehmen: „Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen außer Stande ist, ihren Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung ausgeübt werden kann und ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“ (GDV 2013)


Warum ist die Berufsunfähigkeitsversicherung so wichtig?

Stellen Sie sich vor: Sie wollen mit Ihren Erfahrungen und Qualifikationen für sich und Ihre Familie sorgen. Sie wissen, was Sie können und Sie sind zuversichtlich, dass Sie Erfolg haben werden. Zehn Jahre geht alles gut. Auf dem Sparbuch ist das Geld für den nächsten Urlaub, für das Haus haben Sie einen Kredit aufgenommen – da fällt plötzlich ihre wichtigste, vielleicht Ihre einzige Ressource, die eigene Arbeitskraft, weg. Alles steht auf einmal auf der Kippe. Experten nennen die Berufsunfähigkeit das am häufigsten unterschätzte Risiko. Denn immerhin wird jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens erwerbsunfähig oder berufsunfähig.

Die Versicherungsbranche geht davon aus, dass rund 15 Millionen Versicherungsverträge zum Schutz vor Berufsunfähigkeit abgeschlossen wurden – bei fast 42 Millionen Erwerbstätigen. Die große Mehrheit ist also nicht gegen Berufsunfähigkeit versichert und damit nach Meinung von Experten und von Verbraucherschützern unterversichert.


Was sind die Vorteile der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Was sind die Vorteile der BerufsunfaehigkeitsversicherungDie Berufsunfähigkeitsversicherung ist unverzichtbar für alle, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung sind und damit noch nicht einmal die Basisabsicherung aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erwarten können. Für sie ist die Berufsunfähigkeitsversicherung meist das zentrale Instrument, für den Fall einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit vorzusorgen.

Aber auch Versicherte in der gesetzlichen Rente haben Vorteile. Bis 2001 gab es eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung. Die gibt es für nach 1961 Geborene nicht mehr. Heute erhalten Versicherte aus der Gesetzlichen Rentenversicherung eine zweistufige Erwerbsminderungsrente, wenn sie nicht mehr arbeiten können. Die Rentenkasse zahlt eine volle Erwerbsminderungsrente an Arbeitnehmer, die weniger als drei Stunden am Tag einer bezahlten Tätigkeit nachgehen können, und eine halbe, wenn sie zwischen drei und sechs Stunden am Tag arbeiten können. Welches Qualifikationsniveau die Beschäftigung hat, spielt dabei keine Rolle.

Der Durchschnittsbetrag für Männer betrug 2012 gerade einmal 762 Euro für die volle und 547 Euro für die teilweise Erwerbsminderungsrente (Frauen: 685 Euro und 400 Euro). Der genaue Betrag hängt von der Anzahl der Versicherungsjahre und von der Höhe der individuellen Beiträge ab. Vielen Arbeitnehmern droht daher im Falle der Arbeitsunfähigkeit eine Versorgungslücke.


Welche Nachteile hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Versicherungen für Arbeitnehmer und deckt ein möglicherweise existenzbedrohendes Risiko ab. Daher sind die Nachteile gering. Eine Überversicherung ist sehr selten. Die Policen sind kosten natürlich regelmäßige Beiträge, die die Haushaltskasse belasten. Diese bleiben jedoch stabil, da die Versicherer die Beiträge allein nach Eintrittswahrscheinlichkeit kalkulieren, und keine Finanzmarktrisiken entstehen.

Zu prüfen ist im Einzelfall, ob die Berufsunfähigkeit besser separat oder in einem Kombinationsprodukt wie der Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsschutz abgedeckt werden sollte. Und wie immer bei Versicherungen lohnt sich der Vergleich zwischen den Verträgen und Tarifen verschiedener Anbieter.

Schwierig wird der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn bereits Vorerkrankungen vorliegen.
Dann ist eine gute Beratung besonders wichtig. Ein unabhängiger Berater kann Tarife bei verschiedenen Versicherungen anfragen und gleichzeitig einen Überblick über die Vielfalt der Vertragsbedingungen geben.


Wann sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden?

Warten Sie mit dem Abschluss nicht zu lange! In jungen Jahren liegen oft noch keine Vorerkrankungen vor, die Aufnahme in die Versicherung ist in der Regel unproblematisch. Außerdem ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung umso teurer, je älter der Arbeitnehmer ist. Denn mit steigendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, krank und berufsunfähig zu werden.

Junge Menschen empfinden die Beiträge allerdings als hoch – mit dem Geld ließen sich schließlich viele andere Dinge anfangen, und eine Berufsunfähigkeit scheint unendlich weit entfernt. Inzwischen gibt es Angebote, die auf die besondere finanzielle Situation der Berufsanfänger Rücksicht nehmen.

Gerade wenn junge Versicherte eine eher niedrige Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, sollten sie darauf achten, dass im Vertrag Anpassungsmöglichkeiten vorgesehen sind. Dann kann der Vertrag – und zwar ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung – bei entscheidenden Ereignissen wie etwa Heirat, Geburt von Kindern oder deutlichen Gehaltssprüngen erweitert werden. Die Beiträge werden dann erhöht, und ebenso die Rente, die im Fall eines Falles als Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt wird. Die entsprechende Klausel heißt „Nachversicherungsgarantie“.


Was kostet die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung umfassen in der Regel nur die monatlichen Beitragsraten. Sie bemessen sich nach der gewünschten Rentenhöhe und nach dem Risiko, berufsunfähig zu werden. Das Risiko steigt mit zunehmenden Lebensalter deutlich an, daher müssen Versicherte mit höheren Beiträgen rechnen, wenn sie die Versicherung zu einem späteren Zeitpunkt abschließen. In einer Beispielrechnung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) liegt der Beitrag für einen 40-Jährigen um fast 60 Prozent über dem eines 25-Jährigen.

Ein weiterer Risikofaktor ist der Beruf. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt in ihrem Ratgeber zur Berufsunfähigkeitsversicherung als gefährlichste Berufe Gerüstbauer, Bergleute und Dachdecker. Am wenigsten gefährdet sind dieser Auflistung zufolge Tierärzte, Ärzte sowie Physiker und Mathematiker. Das Risiko wird weiter beeinflusst durch risikoreiche Hobbys, durch das Rauchen und den allgemeinen Gesundheitszustand.

Das Risiko berufsunfähig zu werden, ist bei Frauen größer als bei Männern. Doch seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs dürfen Versicherungsanbieter nicht mehr nach Geschlecht differenzieren: Sie müssen sogenannte Unisex-Tarife anbieten. Das gilt auch für alle seit Ende 2012 neu abgeschlossenen Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Wie bei allen Versicherungsprodukten lohnt sich ein Vergleich verschiedener Anbieter. Dabei sollten die Interessenten immer die Beitragssätze und auch die Klauseln für die Leistungsbestimmung prüfen. Viele Versicherte schätzen bei dieser komplexen Vertragslage die Beratung von Versicherungsmaklern.

Das Analyseinstitut Morgen & Morgen hat im Jahr 2013 insgesamt 362 Tarife von Berufsunfähigkeitsversicherungen ausgewertet und zwischen dem günstigsten Monatszahlbetrag und dem teuersten eine Differenz von über 50 Euro ausgemacht. Die fünf günstigsten Tarife für einen Bürokaufmann oder eine Bürokauffrau, 30 Jahre alt, nicht rauchend, mit einer Vertragslaufzeit von 37 Jahren (bis zur Regelaltersgrenze) und einer vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente von 1000 Euro lagen zwischen 45 und 50 Euro pro Monat, nach Überschussbeteiligung.

Die Überschussbeteiligung ergibt sich daraus, dass die Versicherungen mit dem Geld der Versicherten Überschüsse am Kapitalmarkt erwirtschaften. Je nach Versicherungsunternehmen werden die Überschüsse zu einem großen Teil an die Versicherten weitergegeben, können aber je nach wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwanken.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird auch in Kombination mit anderen Produkten wie etwa der Lebensversicherung angeboten. Dann spricht man von einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung. Sie ist an eine Risikolebensversicherung, eine Kapitallebensversicherung oder auch an eine private Rentenversicherung gebunden und soll vor allem sicherstellen, dass auch im Falle der Berufsunfähigkeit die Beiträge für die Altersvorsorge weiter gezahlt werden können. Auch in der Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung kann eine eigenständige Berufsunfähigkeitsrente vereinbart werden.


Wie schließe ich den Vertrag? Was muss ich zu den Gesundheitsfragen wissen?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine freiwillige Versicherung. Arbeitnehmer können die Versicherung bei einem Anbieter ihrer Wahl beantragen. Das Versicherungsunternehmen wird dann die Risiken individuell prüfen und entscheiden, ob und zu welchem Tarif es dem Interessenten einen Versicherungsvertrag anbietet. Die Risikoprüfung findet nur einmalig vor Vertragsabschluss statt, und zwar in Schriftform. Die Versicherung stellt Fragen nach Vorerkrankungen, bisherigen Behandlungen und dem Gesundheitszustand. Meist betreffen die Gesundheitsfragen einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren vor Antragstellung. Unter Umständen verlangt das Unternehmen auch eine Untersuchung durch den Hausarzt. Parallel entbindet der Antragsteller seine Ärzte von der Schweigepflicht, so dass das Versicherungsunternehmen auch dort Auskünfte einziehen kann.

In einer eigenen Abteilung bewertet die Versicherung anhand der Angaben des Versicherten das Berufsunfähigkeitsrisiko. In den meisten Fällen wird dann die Versicherungspolice ausgestellt. In einzelnen Fällen verlangt das Versicherungsunternehmen weitere Informationen vom Versicherten oder seinen Ärzten, und in einigen Fällen wird der Antrag auf Berufsunfähigkeitsschutz abgelehnt. Dies ist besonders häufig bei Vorerkrankungen der Fall.

Die Gesundheitsfragen sollten sehr sorgfältig ausgefüllt werden. Wissentlich falsche Angaben können dazu führen, dass sich das Unternehmen weigert, die Rente zu zahlen, wenn eine Berufsunfähigkeit eintritt.


Der Versicherungsfall – jetzt greift die Berufsunfähigkeitsversicherung

„Ich kann dauerhaft nicht mehr in meinem zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten“: Jetzt sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung einspringen.

Feststellung der Berufsunfähigkeit

Die Berufsunfähigkeit wird von einem Facharzt festgestellt. Diese Diagnose können die Versicherungsunternehmen überprüfen, indem sie Fragebögen an den Versicherten und an seinen Hausarzt schicken oder indem sie einen eigenen Arzt mit einer weiteren Prüfung beauftragen. Kommt das Versicherungsunternehmen zu dem Ergebnis, dass keine Berufsunfähigkeit vorliegt, so kann der Versicherte einen Gutachter einschalten. Oft geht es auch um die Frage, welcher Grad der Berufsunfähigkeit erreicht wird: Die meisten Versicherungen sind so angelegt, dass sie erst ab einer Berufsunfähigkeit von 50 Prozent eine Rente zahlen.

„Abstrakte Verweisung“

Ob der Versicherte in einem ähnlichen Bereich oder mit ähnlicher Qualifikationsstufe arbeiten könnte, darf dann keine Rolle spielen, wenn im Vertrag der „Verzicht auf abstrakte Verweisung“ vereinbart wurde. Verbraucherzentralen weisen immer wieder darauf hin, dass Versicherte diese Klausel ausschließen sollten (oder Verträge wählen, in denen sie nicht enthalten ist). Andernfalls könnte das Versicherungsunternehmen die Rentenzahlung ablehnen, weil der Versicherte ihrer Einschätzung nach in einem anderen Bereich arbeiten könnte.

Inzwischen haben die meisten Versicherer die abstrakte Verweisung tatsächlich aus den Verträgen genommen. Nur wenn der Versicherte von sich aus freiwillig in einem anderen Beruf die Arbeit aufnimmt, kann der Versicherer die Rentenzahlung verweigern. Das heißt dann „konkrete Verweisung“.

Dauer der Zahlung

Die Berufsunfähigkeitsrente wird für die Dauer der Berufsunfähigkeit gezahlt, längstens bis zum Vertragsende. In den meisten Verträgen wird als Vertragsende das Erreichen des Regelrentenalters genannt. Das ist für Versicherte eine sinnvolle Klausel, denn so entsteht im Falle der Berufsunfähigkeit keine Lücke zwischen den Rentenzahlungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung und der Altersrente aus der gesetzlichen oder privaten Vorsorge.


Wie hoch ist mein Einkommen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Versicherten sollten sich überlegen, welchen Betrag sie im Fall einer Berufsunfähigkeit brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Anhaltspunkte sind beispielsweise die laufenden Fixkosten wie Miete oder Kreditkosten eines Eigenheims oder die Höhe des derzeitigen Nettoeinkommens. Der Versicherte legt die Höhe der gewünschten Berufsunfähigkeitsrente fest, beispielsweise 500 Euro oder 1000 Euro pro Monat, und zahlt dann den individuell ermittelten Beitragssatz.

Für eine noch flexiblere Gestaltung gibt es bei vielen Anbietern die Möglichkeit, die Beiträge und damit auch die Rente zu dynamisieren. Dann steigt die Absicherung mit der Zeit an.

Gleichzeitig sollten die Versicherten beim Vertragsabschluss sorgfältig prüfen, ob sie die Beiträge in der geplanten Höhe zuverlässig aufbringen können – immerhin legen sie sich im Vertrag auf viele Jahre oder Jahrzehnte fest.


Gibt es Alternativen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht die einzige mögliche Absicherung gegen das Risiko von Krankheit und Invalidität. Es gibt einige Alternativen, darunter die Dread-Disease-Versicherung, die Grundfähigkeitenversicherung und die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Dread-Disease-Versicherung: Bei dieser Versicherungsform ist nicht der Fall einer Berufsunfähigkeit versichert, sondern der Eintritt schwerer Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt. In der Regel wird im Krankheitsfall dann eine bestimmte Versicherungssumme ausgezahlt. Die Versicherungssumme hilft, zusätzliche Kosten abzudecken, auch ohne dauerhafte Berufsunfähigkeit. Geeignet ist die Dread-Disease-Versicherung für Selbstständige, die auch bei Krankheit den Weiterbetrieb ihres Geschäfts ermöglichen müssen. Außerdem kann sie eine Alternative für Arbeitnehmer mit (chronischen) Vorerkrankungen sein.

Grundfähigkeitenversicherung: Die Grundfähigkeitenversicherung leistet eine Rentenzahlung, wenn bestimmte Grundfähigkeiten verloren gehen, die im Vertrag aufgelistet sind – etwa Autofahren, Sehen oder Greifen. Sie eignet sich beispielsweise für Künstler, die es oft schwer haben, sich gegen Berufsunfähigkeit zu versichern.

Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung:
Diese Versicherung ähnelt der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Der Beruf spielt keine Rolle, die Versicherung greift, wenn der Versicherte nicht mehr arbeiten kann. Sie ist meistens günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung, weil sie erst dann gezahlt wird, wenn gar keine Arbeit mehr ausgeübt werden kann. Sie ist beispielsweise eine Alternative für Selbstständige, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind.