Berufsunfähig: Wie viel zahlt die gesetzliche Versicherung?

Berufsunfaehig - Wie viel zahlt die gesetzliche Versicherung - klein Die gesetzliche Rentenversicherung bietet zwar eine gewisse Absicherung für den Fall, dass Arbeitnehmer wegen Krankheit oder nach einem Unfall nicht mehr arbeitsfähig sind. Sie ist jedoch nicht zu vergleichen mit der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, die einspringt, wenn Arbeitnehmer nicht mehr in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten können.

In Deutschland zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die Gesetzliche Rentenversicherung ein. So erwerben die Arbeitnehmer Ansprüche auf eine Altersrente und auf eine Absicherung für den Fall, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nicht mehr in vollem Umfang arbeiten können. Diese Rente heißt heute Erwerbsminderungsrente. Sie ersetzt die Erwerbsunfähigkeitsrente, die es bis zur Rentenreform im Jahr 2001 gab.

Eine schwere Krankheit oder ein Unfall, die zur Berufs- und Erwerbsunfähigkeit führen, sind leider nicht selten: Jeder vierte Arbeitnehmer kann im Laufe seines Erwerbslebens dadurch nicht mehr oder nicht mehr ganztägig arbeiten. Am häufigsten sind es psychische Krankheiten, die das Weiterarbeiten unmöglich machen: 36 Prozent der Erwerbsminderungsrenten bei Männern und fast 49 Prozent bei Frauen werden aufgrund psychischer Störungen gezahlt. An zweiter Stelle stehen bei Männern und Frauen die Krankheiten von Skelett, Muskeln und Bindegewebe.

Der Weg zur Erwerbsminderungsrente

Bei einer längeren Krankheit werden die Rentenversicherungsträger den Betroffenen zunächst Reha- und Wiedereingliederungsmaßnahmen anbieten, um die Arbeitskraft wiederherzustellen. Wenn auch danach der Versicherte nicht arbeiten kann, sollte ein Rentenantrag gestellt werden. Dafür ist auf jeden Fall eine individuelle Beratung notwendig. Zum einen wird die Rentenversicherung prüfen, ob die nötigen Wartezeiten und Beitragsjahre erfüllt sind. Zum anderen müssen medizinische Gutachten belegen, dass der Versicherte nicht mehr als sechs Stunden am Tag arbeiten kann. Beide Punkte werden vom Rentenversicherungsträger genau geprüft.

Volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente

Sollten Berufstätige durch einen Krankheitsfall oder einen Unfall berufsunfähig werden, haben sie grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Dies trifft auch zu, wenn die Betroffenen das Rentenalter noch nicht erreicht haben.

Der Rentenbescheid kann jedoch für Ernüchterung sorgen. Denn die Erwerbsminderungsrente sichert kaum den gewohnten Lebensstandard. Im Jahr 2012 betrug die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente für Männer 741 Euro, für Frauen 672 Euro, wie die Deutsche Rentenversicherung berichtet. Die genaue Höhe variiert stark, denn sie hängt von vielen Faktoren ab. Zuallererst von der Einstufung, ob eine teilweise oder eine volle Erwerbsminderung vorliegt. Dann werden für die Berechnung die Beitragsjahre und die Höhe der individuellen Beiträge zugrunde gelegt – die Rente kann im Einzelfall höher, aber auch sehr viel niedriger ausfallen als der Durchschnittswert. Hier kann eine private Berufsunfähigkeitsversicherung die Versorgungslücke decken.

Die Voraussetzungen für den Rentenbescheid sind strikt und werden vom Rentenversicherungsträger eingehend beurteilt. Er untersucht zunächst, ob der Versicherungsnehmer in der Lage ist, weniger als drei oder zwischen drei und sechs Stunden am Tag zu arbeiten. Nur wer weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann, erhält auch die volle Erwerbsminderungsrente. Im zweiten Fall – wenn der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin zwischen drei und sechs Stunden am Tag arbeiten kann – wird die Erwerbsminderungsrente in halbem Umfang ausgezahlt.

Der größte Unterschied zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung liegt in der Frage, was dem Versicherten zuzumuten ist. Die gesetzliche Rentenversicherung nimmt keine Rücksicht auf das Qualifikationsniveau und die Art der Tätigkeit: Sie erwartet von den Versicherten unter Umständen, auch eine geringer bezahlte und niedriger qualifizierte Tätigkeit aufzunehmen, wenn dies gesundheitlich möglich ist. Arbeitsfähig bezieht sich aus Sicht der Rentenversicherung auf eine beliebige Tätigkeit, also nicht zwingend auf den gelernten und vorher ausgeübten Beruf.

Sollte der Versicherte mehr als sechs Stunden am Tag arbeiten können, so wird die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht ausgezahlt.

Änderung der Gesetzesregelung

Früher gab es auch in der gesetzlichen Rentenversicherung das Prinzip der Berufsunfähigkeit. Mit der Rentenreform im Jahr 2001 wurde dies für die gesetzliche Rente quasi abgeschafft – nur für vor 1961 geborene Versicherte gibt es noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Allerdings wurden die Leistungen dort gekürzt, so dass die Versicherten prüfen sollten, ob diese BU-Rente für die Aufrechterhaltung des Lebensstandards ausreicht. Wer nach 1961 geboren ist, für den gibt es nur noch die zweistufige Erwerbsminderungsrente, die keine Rücksicht auf den Beruf nimmt.

Personen ohne Anspruch auf Leistungen

Nicht alle Versicherten haben Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Voraussetzung für die Renten ist eine Versicherungszeit von mindestens fünf Jahren, darunter drei Jahre mit Pflichtbeiträgen. Ausnahmen gibt es für Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und einige andere Sonderfälle. Gerade Berufsanfänger erhalten bei einer schweren Krankheit aber oft noch keine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Risiken gibt es auch für Arbeitnehmer, die der Kinder wegen nicht arbeiten. Kindererziehungszeiten zählen zwar als Beitragsjahre, aber ihre Zahl ist begrenzt. Auch Hausfrauen erhalten daher oft keine oder eine sehr geringe gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Am dringendsten ist ein zusätzlicher Schutz gegen Berufsunfähigkeit für Selbstständige. Denn sie können aus der gesetzlichen Rentenversicherung austreten und erhalten dann nach spätestens zwei Jahren keine Erwerbsminderungsrente mehr ausgezahlt, selbst wenn sie bereits Ansprüche für die Altersrente erworben haben. Gerade Selbstständige geraten aber durch Krankheit oder Unfall schnell in eine existenzgefährdende Lage. Sie sollten das Risiko Berufsunfähigkeit auf jeden Fall absichern.