Fehltage steigen weiter an. Benötigen wir ein Anti-Stress-Gesetz?

Fehltage steigen an, was können wir dagegen tun? Die Zahl der Fehltage im Beruf wegen psychischer Erkrankungen ist im Zeitablauf deutlich gestiegen. Fielen 2001 bereits 33,6 Millionen psychisch krankheitsbedingte Fehltage an, lag die Zahl zehn Jahre später bei über 52 Millionen Tagen – Tendenz weiter steigend. Bei den Ursachen für vorübergehende oder dauerhafte Berufsunfähigkeit nehmen psychische Ursachen mittlerweile einen Spitzenplatz ein. Stress, Burnout und Depressionen sind häufig eine Folge extremer beruflicher Belastungen. Von vielen Seiten wird daher ein Anti-Stress-Gesetz gefordert.

Viele Ursachen für mehr Stress

Die Ursachen für steigenden Stress am Arbeitsplatz sind vielschichtig. Wachsende Leistungsanforderungen, höhere Arbeitsverdichtung, mehr Ergebnisdruck, Konkurrenzkampf und berufliche Unsicherheit sind wichtige Faktoren. Hinzu kommen höhere Ansprüche an die Arbeitsmobilität, zeitliche Erreichbarkeit und die Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse. Sie machen es schwieriger als früher, ein ausreichendes soziales Umfeld zum Berufsleben zu schaffen. Das ist aber für psychische Stabilität besonders wichtig. Vielen Erwerbstätigen, insbesondere Frauen, bereitet die Verbindung von Familie und Beruf Schwierigkeiten. Vor diesem Hintergrund überrascht ein besonders hoher Frauenanteil bei psychisch bedingten Fehlzeiten nicht. Auch berufsfeldbezogen gibt es bemerkenswerte Unterschiede. So ist das Risiko psychischer Erkrankungen bei Gesundheits-, Sozial- und Erziehungstätigkeiten deutlich größer. Fazit: die vielbemühte Work-Life-Balance gerät bei immer mehr Beschäftigten immer öfter aus dem Gleichgewicht.

Gesetzesinitiative bisher erfolglos

Von Gewerkschaftsseite und politischen Parteien wird daher bereits seit Längerem eine Anti-Stress-Gesetzgebung gefordert. Sie soll Arbeitgeber dazu verpflichten, systematische Gefährdungspotenziale psychischer Belastungen am Arbeitsplatz zu ermitteln und durch geeignete Maßnahmen Abhilfe zu schaffen – zum Beispiel durch angemessene Pausen- und Erreichbarkeitsregelungen. Die Bekämpfung psychischer Krankheitsursachen soll damit zu einer wichtigen Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden. In der vergangenen Legislaturperiode wurde bereits von mehreren Ländern und Bundestagsparteien eine entsprechende Initiative für eine Anti-Stress-Verordnung gestartet. Zu einer Verabschiedung kam es nicht.

Erst Ursachenforschung

Ob eine Verordnung eine grundlegende Trendwende hin zu weniger Berufsstress bewirken kann, darf bezweifelt werden. Ihr käme wohl eher eine Signalfunktion zu, um das Problem auch in den Unternehmen bewusster zu machen. Die Koalitionsvereinbarung der neuen Bundesregierung sieht denn auch zunächst keine Verordnung vor. Erst sollen die Ursachen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz noch näher erforscht und mögliche Handlungsalternativen untersucht werden. Bis zur Anti-Stress-Gesetzgebung ist es also noch weit. Jeder Arbeitnehmer sollte sich daher mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung frühzeitig auseinandersetzen, der Gesetzgeber sorgt nur für eine Grundversorgung.

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